„Ab und zu darf es auch etwas Besonderes sein!“

Dieser Satz könnte aus der Werbung stammen. Genau so wie „Man gönnt sich ja sonst nichts!“ Und wer den Artikel „Nein, das schmeckt mir nicht!“ aufmerksam gelesen hat, weiß, dass ich von den Werbepsychologen gelernt habe: „Was man oft genug gehört hat, wird für uns zur Wahrheit!“ (Und wird brav nachgebetet, ob es nun „wahr“ ist oder nicht).
Und so höre ich in Beratungsgesprächen oft, dass man „normalerweise“ nicht, aber zu besonderen Anlässen dann doch bestimmte Dinge isst oder trinkt, die eigentlich „nicht so gesund“ sind. Aber zu diesen besonderen Anlässen ist das dann ja vertretbar, darf es sogar sein. Gemeint sind die besonderen Getränke für die Kinder am Heurigen, die besonders üppige Jause beim Geburtstag, die Snacks beim geselligen Weinabend,…glass-for-water-1901700_1920

„Das ist doch eh ganz normal. Oder?“, werde ich gefragt. Ich muss etwas ausholen. Ich habe eine Sichtweise zu diesem Thema, die ich dann gerne teile:
Mit diesen „besonderen Dingen“ sind selten Äpfel, frisches Wasser, selbstgebackenes Brot gemeint. Wer würde sich darüber beim Kindergeburtstag oder in der geselligen Freundesrunde schon freuen? –  Aber nein! Wir reden hier vom bunt dekorierten Geburtstagskuchen, von Süßigkeiten, Limonaden, Knabberzeug. Wenn man eingeladen ist, nimmt man eine Flasche Wein mit oder eine teure Schokolade.
Dabei sind das doch genau die Lebensmittel, von denen wir (ein Blick auf die Ernährungspyramide zeigt es uns) eher wenig essen und trinken, weil wir sie gar nicht so dringend benötigen und sie uns im Übermaß sogar belasten.
Macht es dann Sinn, gerade diese Lebensmittel zu etwas „Besonderem“ zu machen? Sollten wir Kindern beibringen, dass es die Limonade nur am Heurigen gibt, weil sie etwas „Besonderes“ ist? Obwohl wir sonst vielleicht sagen: „Trink nicht soviel Limonade, das ist ungesund!“

Wie wäre es, wenn wir schon unseren apple-1572648_1920Kindern beibringen, dass das Vorhandensein von klarem, sauberem Trinkwasser in jedem Haushalt eine Besonderheit auf dieser Welt ist, dass auch das aufmerksame Verkosten zweier unterschiedlicher Äpfel etwas Besonderes ist oder dass selbstgebackenes Brot besonders gut schmeckt?
Wir prägen unsere Kinder damit, wie wir mit ihnen reden und ihnen gewisse Themen näherbringen. „Trink nicht so viel Limonade!“ hat eine andere Wirkung als: „Komm, jetzt erfrischen wir uns mit einem Glas Wasser!“
„Jetzt isst du schon wieder Schokolade!“ hat eine andere Wirkung als: „Setz dich in Ruhe hin und genieß deine Schokolade!“
Abgesehen davon, dass Kritik und Ermahnung eher zu Widerstand führen als dass sie motivieren (ganz gleich ob es um Kinder oder Erwachsene geht) erreichen wir mit diesen Sätzen noch eines: Jedes mal, wenn wir das Wort Schokolade oder Limonade aussprechen werden alle, die es hören, an genau dieses Lebensmittel denken und – Appetit darauf bekommen (nichts anderes passiert in der Werbung). Sprache hat einen starken Einfluss auf unsere Ernährung!

Das ist vielleicht eine etwas andere Betrachtungsweise als wir es gewöhnt sind und darin steckt wieder das Wort Gewohnheit! Wir selbst sind vielleicht so geprägt worden, beispielsweise in Süßigkeiten etwas Besonderes zu sehen, weil diese vor einiger Zeit tatsächlich noch teuer und selten waren. Heute ist das anders. Wir wachsen im Überfluss auf und eine Möglichkeit, damit zurechtzukommen ist es, auf die einfachen Dinge wieder mehr Wert zu legen! Und manches, das wir von irgendwoher (von woher eigentlich?) übernommen haben zu hinterfragen, ob es überhaupt noch passt.geburtstagstorte.jpg

„Heißt das, es darf zum Geburtstag keine Torte mehr geben!??“
Doch! Auf jeden Fall!
Aber nicht weil die Torte etwas Besonderes ist, sondern wir alle, der Geburts-Tag und vor allem das Geburtstagskind!

 

 

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