Getreide #7 – der Reis

Mit dem Reis beenden wir unsere „Reise“ durch Uwe Renzenbrinks Buch „Die sieben Getreide“. Ein überaus wichtiges Getreide, ist es doch das Grundnahrungsmittel der Hälfte aller Erdenbewohner. Das Bemerkenswerte am Reis ist, dass aus einem einzelnen Korn eine Pflanze mit vielen Seitentrieben wächst, in der bis zu 3000 Körner heranreifen.

Die über tausend Reissorten werden im Handel in Langkorn (auch Patnareis), Rundkorn (oder Milchreis) und Mittelkorn unterschieden. Blätter, Reiskleie und Halme werden als Viehfutter verwendet, die Spelzen als Brennmaterial, das feine Reisstroh für Matten, Hüte oder Reispapier.
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Die Wirkung des Reis im Menschen zeigt sich in der engen Beziehung der Reispflanze zum Wasser. Reis bringt das Gewebswasser in Fluss und regt die Flüssigkeitsausscheidung an. Das macht man sich bei Stauungen in den Geweben, Kreislaufstörungen, erhöhtem Blutdruck und Nierenschwäche zunutze. Erklären lässt sich das durch den geringen Natriumgehalt im Reis. Natrium hält Wasser im Gewebe zurück. Bei einer entwässernden Reisdiät darf der Reis also nicht gesalzen werden! Die Bekömmlichkeit lässt sich weiters durch die Schleimbildung beim Kochen erklären und dadurch, dass das enthaltene Eiweiß nicht auf die Randschichten beschränkt ist, sondern den ganzen Stärkekörper durchsetzt.

Der Reis gibt den Menschen im Osten ein tiefes, reiches Seelenleben und unterstützt sie zu spielerischer Geschäftigkeit und geschickter Handarbeit. Im Unterschied dazu betreibt der Mensch des Westens den Ackerbau im Schweiße seinen Angesichts, wofür Roggen und Weizen, Gerste und Hafer die erforderliche Ernährungsgrundlage liefern.

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Bild: pixabay.com

Uwe Renzenbrink erzählt im Reiskapitel die Geschichte der „Reisesserin in Peking“ nach. Auch ich möchte euch einen kleinen, sehr beeindruckenden Teil daraus weitergeben:

„Die alte Frau saß am Bürgersteig. Sie aß. Es war die Art, wie sie aß, die mich derart beeindruckte, dass ich gebannt stehenblieb. Sie hatte die linke Hand halb geöffnet, darin einige Reiskörner lagen. Mit Daumen und Zeigefinder der rechten Hand nahm sie vorsichtig eines der Reiskörner, führte es langsam zum Mund und zerkaute es; das dauerte fast eine Ewigkeit. Dann kam bedächtig, ruhig und langsam das nächste Reiskorn an die Reihe. Sie saß dort, ganz den Reiskörnern hingegeben und bemerkte nichts von alledem, was um sie herum geschah.“
(Jean Gebser, Asienfibel, Ullsteinbuch Nr. 650, Berlin 1962)

Uwe Renzenbrink greift damit schon 1993 ein heute hochaktuelles Thema auf: der Achtsamkeit. Die Reisesserin in Peking, die sich dem Essen der Reiskörner ganz und gar widmet zeigt uns, dass es nicht nur wesentlich ist was wir essen, sondern wie wir essen. „Wissenschaftlich bilanzierte Ernährungsversuche sind in Frage zu stellen, denn Geist und Seele des Menschen wirken entscheidend mit. Sie sind nicht durch Maß, Zahl und Gewicht zu erfassen.“, schreibt Renzenbrink, und weiter: „Ist die Art, wie bei uns die Mahlzeiten eingenommen werden, noch mit der Würde des Menschen vereinbar?“ Klare Worte, und wir wissen, es steckt mehr als nur ein Körnchen Wahrheit darin.
Glücklich, wer sein Verlangen nach Genuss auch mit einem Reiskörnchen stillen kann!

Mit dem Bezug zum Wasser und damit zum Mond (frz. la lune) ist auch der Wochentag schon klar: der Reis wird dem Montag (frz. lundi) zugeordnet, die Planetenentsprechung ist eben der Mond.

Rezepte mit Reis findet ihr bald mehr am Blog! Hier geht’s schon los:
Kakao-Milchreis mit Pfirsichkompott (vegan)

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Der Inhalt dieses Artikels wurde auch diesmal großteils dem Buch
„Die Sieben Getreide“ von Udo Renzenbrink entnommen.

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