Aus dem Garten – Süßkartoffel

Über die Süßkartoffel (Ipomoea batata) habe ich in einem meiner ersten Beiträge im Sommer 2017 schon berichtet. Damals konnte ich euch auch die wunderschöne Blüte zeigen. Seit einigen Jahren werden die Früchte dieses Windengewächses auch in Österreich geerntet, mein Erdäpfelbauer beliefert mich seit letztem Jahr mit den schmackhaften Süßkartoffeln. Die allerletzte, die ich von ihm bekommen hatte, fing an auszutreiben und so wusste ich, dass heuer auch Süßkartoffeln auf die Gartenliste kommen würden.

Am einfachsten ist es, Süßkartoffelpflanzen zu kaufen. Das ist auch die teuerste Variante. Der Selbstversorger vermehrt die Süßkartoffel im Herbst über Stecklinge. Von robusten Pflanzen, die einen guten Ertrag gebracht haben, nimmt man ca. 30 cm lange Stecklinge mit etwa 3-4 Blattpaaren. Die unteren Blätter werden entfernt, 4 Blätter werden belassen. In einem Wasserglas bewurzeln lassen, dann die Spitze kappen (3 Blätter belassen) und in Blumenerde setzen. So überwintern die Stecklinge im Gewächshaus, wo es nicht unter 10°C haben soll. Lange Ranken werden gekappt und können wieder als Stecklinge weiterkultiviert werden.
Mit dieser Vermehrungsart kann man im Frühjahr schon mit recht kräftigen Pflanzen starten.

Links liegen einige Exemplare auf der warmen Kaffeemaschine zum Trocknen, rechts ein Knollenstück, an dem schon 4 Augen austreiben.

Oder man lässt Knollen keimen. Das gelingt am Besten an der oberen Seite der Knolle, die im Garten der Pflanze näher war. Dort befinden sich mehrere schlafende Augen, die manchmal schon spontan bei der Lagerung austreiben. Oder man schneidet ca. 4 cm vom Ende ab, lässt den Schnitt über Nacht trocknen und setzt ihn auf nährstoffarme Anzuchterde oder Kokossubstrat. Nur den unteren Rand mit Erde bedecken und sehr warm (ca. 25°C) aufstellen und mit warmem Wasser gießen. Es bilden sich Wurzeln und Triebe. So kann die Pflanze ausgesetzt werden. Oder – wenn noch genug Zeit ist bis Mitte Mai und die Triebe sehr lange sind – können noch einmal einzelne ca. 15 cm langen Triebe abgenommen werden und zum Bewurzeln wieder in Wasser gestellt werden.

Zum Abhärten wird die Pflanze ab Mitte April tagsüber ins Freie gestellt, erst ab Mitte Mai wird sie ausgepflanzt.

Die Blätter haben violette Adern und ein glänzendes Grün. Diesem Steckling werde ich in etwa einer Woche noch einmal die oberen 15 cm abschneiden und bewurzeln lassen. Sofern er bis dahin noch ein wenig wächst und mir stark genug erscheint.

Im Garten benötigt die wärmeliebende Tropenpflanze einen sonnigen Standort und braucht eine gleichmäßige, eher hohe Bodenfeuchte. Dann setzt sie während der Sommermonate reichlich Tochterknollen an. Der Boden soll nährstoff- und humusreich sein, locker und sandig. Süßkartoffeln gehören zu den Starkzehrern. Auf Kälte reagiert sie sehr empfindlich, deshalb sollte mit dem Auspflanzen auf jeden Fall bis Mitte Mai gewartet werden. Der Pflanzabstand im Beet beträgt 40 cm x 30-50 cm. Bei der Pflanzung im Topf braucht eine Pflanze mindestens 20 Liter Volumen. Angeblich sollen bei der Topf-Kultur mehr dickere Knollen gebildet werden. Da die Pflanzen nur langsam wachsen, sollten sie gemulcht werden, mit Laub, Stroh, ev. auch mit schwarzer Mulchfolie. Auch Salat, Spinat und Radieschen können der Süßkartoffel diesen Schutz bieten, bis sie geerntet werden und dann die Süßkartoffel das Feld übernimmt.

Vorkulturab September Stecklinge schneiden oder geerntete Knollen vortreiben lassen
Pflanzungfrühestens Mitte Mai, Kälteschäden bei < 10°C
ErnteAugust – Oktober, wenn die Blätter sich gelblich verfärben, vor den ersten Nachtfrösten
Pflanzabstand40 cm x 30-50 cm
Standortviel Sonne, viel Wasser, keine Staunässe; mulchen, humus- und nährstoffreiche Erde
MischkulturSalat, Spinat, Radieschen.
DüngenStarkzehrer: Kompost und Hornmehl

Hier noch ein Rezept:
Süßkartoffel – Curry

Und zum Schluss noch ein Tipp: wenn ihr einige Süßkartoffel-Stücke im Druckkochtopf im veganen Gulasch mitkocht, zerfallen sie komplett (nach dem Öffnen des Deckels noch ein paarmal gut durchrühren) und sorgen für eine sämige Soße.

Süßkartoffel-Curry mit Hirse

Update 26.06.2021
Meine Süßkartoffelpflanzen sind seit 18. Mai im Freien, alle in großen Kübeln und Trögen. So wird die Ernte hoffentlich einfacher.
So zögerlich das Wachstum zuerst war, mit den sommerlichen Tagen explodierten die Pflanzen regelrecht und produzieren nun erstaunlich viel Blattmasse in kurzer Zeit. Die Pflanzen scheinen zu wissen, wann es sich lohnt, ihre Kraft ins Wachstum zu stecken.

Die Süßkartoffeln aus eigener Vermehrung durch Keimung von Süßkartoffeln

Anfangs wurden diese beiden Pflanzen noch mit Vlies abgedeckt, die Pflanze rechts im Bild litt trotzdem sehr unter der Kälte, weshalb ich vorsorglich noch einen Steckling schnitt, bewurzeln ließ und etwa 3 Wochen später einpflanzte.

die beiden gekauften Süßkartoffel-Pflanzen Burgundy (links oben) und eine ohne Sortenbezeichnung (rechts)

Anfang Juni habe ich 3 bewurzelte Stecklinge von meiner Tochter bekommen. Mal sehen, ob sie noch genug Zeit haben, Knollen zu bilden. Der Trog ließe sich unter Umständen im Herbst auf die frostgeschützte Terrasse retten. Erst einmal ist jedoch oberirdisches Wachstum angesagt, damit später genügend Assimiliationsfläche für die Knollenbildung vorhanden ist. Die Blattmasse hat sich in 2 Wochen verfünffacht!

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