Typisch (Nieder-)Österreich: die unmögliche Sachertorte

Anfang Mai 2021 ist der Wunsch nach einer Sachertorte unerfüllbar. Der Grund dafür liegt 9, wenn nicht sogar 13 Monate zurück. Was damals schon die Entstehung einer „echten“ Sachertorte behindert hat? Die fehlende Marillenernte in meinem Garten, vielleicht wegen ungünstiger Bedingungen zur Blütezeit und damit die leergebliebenen Marillenmarmeladegläser. Die dadurch fehlende Marmeladenmenge haben meine Zwetschken und eine unverhoffte Uhudler-Lieferung im Herbst zwar kompensiert und auch bei den Weihnachtskeksen ließ sich ein Ersatz finden. Aber mit der Sachertorte habe ich nicht gerechnet. Als Ersatz dient mir an diesem Sonntag die schon öfter gelobte Uhudlermarmelade. Süß-säuerlich und sehr aromatisch. Nicht so typisch für Niederösterreich wie die Marille, aber ein würdiger Vertreter. Auch sonst werden sich einige Unterschiede zur „Original“ Sacher Torte finden. Das muss auch so sein, meine wird ja sofort gegessen und muss den Transport in die ganze Welt nicht überstehen.

Zu meiner Freude haben die Marillen den heurigen Frost zur Blütezeit gut überstanden und die Früchte sind schon erbsengroß. Die Marmelade 2021 ist gesichert!

Sachertorte
(Springform mit 24 cm)

6 Dotter
100 g weiche Butter
110 g Staubzucker

6 Eiklar
20 g Kristallzucker
Salz

130 g geschmolzene Schokolade

150 g Mehl
15 g Kakaopulver
1/2 TL Weinsteinpulver

ca. 300 g Marmelade
ca. 200 g Kuvertüre

Zum Servieren ev. geschlagenes Obers und Schokosauce (wenn Glasur übrigbleibt: mit flüssigem Schlagobers oder Milch verrühren und warm servieren)

Zuerst die Springform vorbereiten: mit Papier auslegen oder einfetten oder wie ich beides (Boden mit Papier auslegen, Wände einfetten.
Backrohr auf 180°C aufheizen, Rost einschieben.
Schokolade im Wasserbad schmelzen und wieder leicht abkühlen lassen.
Dotter, Butter und Staubzucker schaumig rühren.
Eiklar mit Kristallzucker und Salz steif schlagen.
Mehl, Kakao und Weinsteinpulver sieben.

Schokolade zur Dottermasse geben und kurz verrühren, dann Mehl und Eischnee dazugeben und mit der Teigspachtel verrühren. In die Springform füllen, den Teig an den Seitenwänden etwas hochziehen, um eine ausgeprägte Kuppelbildung beim Backen zu verhindern.
Bei 180°C Ober- und Unterhitze ca. 35 min. backen. Wenn bei der Stäbchenprobe das Stäbchen sauber bleibt, ist der Kuchen fertig.

Herausnehmen, nach einigen Minuten den Kuchen mit einem scharfen Messer vom Rand lösen und aus der Form befreien. Auf einem Kuchengitter auskühlen lassen.

Den erkalteten Kuchen mit einem Messer oder einem Tortendraht in der Mitte durchschneiden und die Kuppel begradigen, die sich beim Backen Kuppel gebildet hat.
Die Marmelade erhitzen und ca. 200 g auf der oberen Tortenhälfte verstreichen. Den unteren Tortenboden daraufsetzen (damit wird die gerade Unterseite zur Oberseite) und die Torte rundherum mit der restlichen Marmelade dünn einstreichen.
Trocknen lassen. Währenddessen wird die Kuvertüre im Wasserbad geschmolzen, nach Anleitung Öl zugeben, um eine schnittfeste Glasur herzustellen. Wer wie ich mit Osterhasen als Grundlage arbeitet, muss sich hier auf sein Gefühl verlassen und mit Glasuren rechnen, die steinhart oder „bazweich“ sind.

Wenn die Glasur auf lippenwarme Temperatur abgekühlt ist, wird sie auf die Torte gegossen und möglichst glatt verstrichen. Auch die Ränder einstreichen.
Ca. 3-4 Stunden kühl stellen, bis die Glasur fest ist.
Bei mir wird mit dieser Torte der Geburtstag meines Jüngsten gefeiert. 2003 herrschten Anfang Mai weit sommerlichere Temperaturen als heuer, der Herzerlstrauch blühte aber auch damals genauso wie heute. Ihr seht ihn am Beitragsfoto.


11 Kommentare

  1. Schokotorte – Sacher oder nicht – ist eine meiner Leibspeisen – !!!
    Und ich habe von einer guten Freundin noch ein Glas Aprikosen-Marmelade aus dem Tessin, das auf seinen Einsatz wartet – Danke für das Rezept!

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  2. Jaja, die Marille:-)) Ich hätte gern ein paar Vinschger rüber gebracht.
    Man kann sich eine schlanke Variante des Schokokuchens (ohne Fett – weil Schokolade genug hat) mittels eines Kakao-Bisquits herstellen. Das spart den Weinstein:-))
    Als Koch stelle ich mir die Glasur natürlich selbst her und verwende keine fertige Schokolade. Dank Versandhandel ist heute Alles möglich. Zu suchen wäre:
    Kokosfett, Kakaobutter, Kakaopulver usw.. Besonders gut in der Beschreibung finde ich die Angabe von Salz. Vor allem beim Schlagen des Eiweißes. Salz wird ja, wie ein Zweiradfahrer, zum Teufel erklärt. Ohne Salz, würden das aber Viele nicht schreiben können.

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      1. https://www.vinschgau.net/de/essen-geniessen/lokale-produkte/vinschger-marille.html
        Ein Kuchen oder generell, etwas Süßes ohne Salz, ist nur die Hälfte wert:-)) Das zeugt von grundsätzlicher Nachlässigkeit in Hinblick Geschmack und Geschmacksvolumen.
        Bei extrem sauren Zutaten, baut Salz auch die Lästigkeit der Säure ab. Das ergibt einen runden Geschmack. Bei sehr süßen Zutaten, gibt es den gleichen Effekt, umgekehrt.

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    1. Zu flach für die Marillen? Ich dachte das kommt ihnen entgegen, da die Wahrscheinlichkeit für Nachtfröste zur Blütezeit geringer ist? Die Wachau ist jedenfalls bekannt für die Wachauer Marille g.U., Marillenkirtag, Marillenprodukte …

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