Aus dem Garten – Paradeiser

Bis es im Jahr 2021 reife Paradeiser aus dem Garten geben wird, bleibt noch genug Zeit, sich über den „richtigen“ Namen den Kopf zu zerbrechen. Im Osten Österreichs werden oft die Augen verdreht, wenn jemand „Tomaten“ sagt. Das hängt sicher auch mit dem hiesigen Dialekt zusammen. Die Wörter Paradeissupp’n, Paradeissalat und Paradeissoß‘ gehen so viel leichter über die Zunge. Der Paradeiser lässt jedoch eine beliebte Kombi sprachlich hinken, nämlich den Sommerklassiker „Mozzarella mit Tomate“ (wir sagen am Land nicht Insalate Caprese dazu).

Wichtiger als der Name ist jedoch die Tatsache, dass es sich hier um das mengenmäßig wichtigste und beliebteste Gemüse der Österreicher handelt. Dabei ist das Nachtschattengewächs schon im 15. Jahrhundert nach Europa eingewandert, wurde zuerst aber nur in Italien als Nahrung geschätzt. Erst nach 1920 entwickelte sich die Tomate zur weltweit bedeutendsten Salat- und Gemüsepflanze. Mit ein Grund dafür sind die vielen Verwendungsmöglichkeiten und die zahlreichen Sorten mit den vielfältigen Ausprägungen in Farbe, Form, Geschmack und Konsistenz. Platz für die Tomate findet sich in jedem Garten, denn sie kann auch in Töpfen, auf einem Balkon, sogar hängend als Ampeltomate kultiviert werden und auch kopfüber hängend sieht man sie ab und zu.

Ampeltomaten stellt man am besten etwas höher, in einigen Monaten werden sie bis zum Boden hängen.

Wer Tomaten selbst heranzieht braucht etwas mehr Geduld als bei Gurken. Diese sind 3 Wochen nach der Aussaat schon bereit zum Aussetzen, bei den Tomaten dauert das schon 6 Wochen. Ziel ist es, eine kräftige, gedrungene Pflanze mit ersten Blüten nach den letzten Nachtfrösten Mitte bis Ende Mai auszupflanzen. Wer zu früh beginnt riskiert, dass die Pflanzen in der noch lichtarmen Zeit zu lange und schwache Triebe bekommen. Nach dem Keimen stellt man die jungen Pflänzchen deshalb kühl bei ca. 15°C und hell. Eine Pflanzenlampe gibt zusätzliches Licht und verlängert den Tag.

Die pilzanfälligen Paradeiser stehen gerne unter einem Dach, wo sie vor Regen geschützt sind.

Beim Auspflanzen wird die Tomatenpflanze gut 10 cm tiefer gesetzt als zuvor. Dazu werden die unteren Blätter entfernt und können gleich ins Pflanzloch geworfen werden. Auch zerkleinerte Brennessel kann man mithineingeben und manche schwören auf rohe Fischabfälle, die für einen guten Tomatengeschmack sorgen sollen. A propos Geschmack. Viel Gießen? Nicht bei Tomaten. Beim Auspflanzen werden sie ordentlich eingeschlämmt, danach dürfen Pflanzen, die im Freiland stehen ruhig einmal die Blätter hängen lassen, denn dann graben sie ihre Wurzeln tiefer in die Erde auf der Suche nach Wasser. Über Nacht erholen sie sich meist wieder. Wenn nicht kann gegossen werden. Unbedingt in den Wurzelbereich, nie über die Blätter. Man kann auch einen kleinen Pflanztopf neben die Tomate in den Boden stecken und über ihn gießen. Profis fügen 1 Gramm Salz pro Liter Gießwasser hinzu und verbessern damit Geschmack und den Gehalt an Antioxidantien. Morgens ist jedenfalls der bessere Zeitpunkt für die Wassergabe, so kann die Oberfläche tagsüber wieder abtrocknen. Gießt man am Abend lockt das nicht nur Schnecken an, sondern fördert auch die gefürchtete Kraut- und Braunfäule. Diese Pilzerkrankung steigt bei ungünstigen Bedingungen gerne aus dem Boden in die Pflanze empor, und breitet sich über den Stängel auf die Früchte aus. Befallene Blätter und Früchte sollen bei ersten Anzeichen entsorgt werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern und die Pflanze mit den restlichen Früchten zu retten.

Zur Verhinderung der Braunfäule baut man die Tomaten unter Dach an, mulcht mit Stroh, verzichtet auf das Ausgeizen von Freilandexemplaren und zählt auf frühreife und robuste Sorten. Ackerschachtelhalmpräparate wirken stärkend. Die Blätter sollten nicht den Boden berühren, dazu werden die unteren Blätter eventuell ganz oder teilweise entfernt. Wenn ausgegeizt wird, unbedingt darauf achten, dass man nicht zuerst befallene Pflanzen anfasst und danach die gesunden – so würde der Pilz schnell übertragen werden.

Die sonnenhungrigen Paradeiser wollen ein warmes Plätzchen und zumindest 5 Stunden Sonne am Tag. Stabtomaten werden ausgegeizt, Buschtomaten nicht. Ausgeizen nennt man das Entfernen der Achseltriebe. Diese Triebe entwickeln zwar auch Blütenstände, führen aber dazu, dass sich zwar mehr, dafür kleinere Früchte bilden. Die Pflanze wird zudem unübersichtlicher, es wird schwieriger, die schweren Triebe alle abzustützen, die Blätter vom Boden fernzuhalten und sie nach einem Regen wieder trocken zu bekommen. All das fördert die Ausbreitung der Pilzerkrankungen.

Ende Mai gibt es genau 2 Mini-Früchte in meinem Garten, an der Tschernij Prinz, einer Fleischtomate.

Soviel zur Theorie. In der Praxis sieht es so aus: meinen Garten schmücken heuer 21 Tomatenpflanzen, ein Sammelsurium aus Fleisch-, Busch-, Cocktail-, Ampel-, Wild-, Balkon-, Stab- und Kirschtomaten. Die meisten stehen in Kübeln an einer sonnigen und überdachten Südwand, die Ampeltomaten sind auf der Terrasse eingezogen, einige robuste Sorten durften ins Freiland. Robustheit ist heuer auch wirklich gefragt! Die Tomaten stehen nun genau 14 Tage im Freien und sind noch keinen Millimeter gewachsen (kommt mir vor…). Die Kälte wird die Ernte auf einen noch späteren Zeitpunkt verschieben und ich bin gespannt, wann wir die ersten sonnengewärmten Früchte genießen können.

6 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen schönen Beitrag, liebe Heidi! Du fasst eigentlich alles Wichtige, was man als Anfänger wissen sollte, in perfekter Kürze zusammen. Und was den Namen angeht: Obwohl ich in Norddeutschland lebe, finde ich „Paradeiser“ viel poetischer und damit für diese leckere Frucht eigentlich passender als „Tomate“.
    Viele Grüße
    Gerd

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  2. Dank für das Lob, liebe Heidi. Siehe Neubeginn.
    Bei uns nennt sich das „Zeug“, Pelati.
    Wer unbedingt den Tomatengeschmack intensivieren möchte, kann gute Blätter mit Salz zusammen, kuttern und so ein Tomatenwürzsalz richten.
    Einige ganz Pfiffige legen sich frisches, junges Tomatenkraut in Öl ein oder stopfen das in eine halb volle Ölflasche.
    Tomaten werden nicht im Kühlschrank oder untereinander anliegend gelagert nach der Ernte. Das ist glaub ich, der häufigste Lagerfehler bei dieser Frucht.

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    1. Gerne! Geschichten über die DDR sind für mich wie eine fremde Sprache, aber sehr interessant.
      Den Geruch von Tomatenkraut finde ich ja weniger ansprechend als den der Früchte, obwohl manche meinen, er wäre derselbe. In Öl einlegen kann man aber einmal ausprobieren! Beim Ausgeizen fällt ja einiges an Geiztrieben an. Die könnte man aber auch bewurzeln lassen und eine neue Pflanze heranziehen. In der Hoffnung, dass sie noch Früchte trägt.
      Dieser Lagerfehler ist mir bekannt und ich werde versuchen, mich zu bessern! 😄

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