Aus dem Garten – Melanzani

Warum die schwarz-glänzende keulenförmige Frucht auch Aubergine und Eierfrucht genannt wird, erschließt sich erst bei genauerem Hinsehen und Nachlesen. Das genormte Parade-Exemplar, wie man es in den Supermärkten zu kaufen bekommt, täuscht nämlich über die Sortenvielfalt der Melanzani erst einmal hinweg. Maximal violett gestreifte Exemplare sieht man ab und zu bei uns und bekommt einen kleinen Einblick, was möglich ist. Und dass es eben auch violette Vertreter dieses Nachtschattengewächses gibt. Ob die Farbe schon zur Bezeichnung Aubergine geführt hat ist jedoch unwahrscheinlich, man vermutet eher die Namensbildung durch verschiedene Übersetzungen der indischen Bezeichnung für die Eierfrucht. Die ursprüngliche Melanzani war weiß und klein wie ein Ei, womit auch die Bezeichnung „Eierfrucht“ erklärt ist.

Fruchtstand Ende Juni, 2 Wochen nach der Blüte, links die namenlose aus der Gärtnerei, Violetta lunga, Applegreen

Von den erntereifen Früchten sind wir im Garten jedoch noch weit entfernt. Ende Juni schauen gerade einmal die ersten Früchte verstohlen unter den Kelchblättern hervor. Sie sind sehr hart, und ich verstehe nun, warum es heißt, dass die Erntereife dann erreicht ist, wenn die Frucht weich ist bzw. auf Druck nachgibt.

Meine Sorten sind: Daniela, Angela, Japanese White Egg, Applegreen, Violetta Lunga, Little Fingers und eine namenlose aus der Gärtnerei. Allesamt als Pflanzen gekauft. Mit der Selbstanzucht aus gewonnenen Samen probiere ich es im nächsten Jahr.

Wer die Melanzani selbst aussäen möchte, sollte schon im Februar damit beginnen und für hohe Keimtemperaturen um 22-24°C sorgen. Die Keimdauer ist mit 2-4 Wochen relativ lang, jedoch keimen die Samen sehr zuverlässig. Wenn die 1. Laubblätter erscheinen, wird das junge Pflänzchen pikiert und dabei tiefer gesetzt als davor. Ein gedrungener, kräftiger Wuchs sollte angestrebt werden, da die Pflanzen später einmal viel Gewicht tragen müssen. Bei der frühen Anzucht sollte also auf genügend Licht geachtet werden.

Ausgepflanzt ins Freiland wird frühestens Mitte Mai, im Zweifelsfall wartet man lieber. Bei kalten Temperaturen versäumt man in diesem Fall nichts, man schwächt die Pflanzen nur und sie müssen dann mühsam aufholen. Meine Melanzani stehen in einem Frühbeet und in Kübeln an der Hausmauer. Die Frühbeetbewohner fingen deutlich früher zu blühen an und setzten dementsprechend auch schon Früchte an. Allerdings fühlen sich auch die Blattläuse in diesem geschützten Beet sehr wohl und werden nicht so stark von Wind und Regen gestört. Bei Topfkultur werden mindestens 10 Liter Volumen empfohlen, meine können sich in 20 Liter ausbreiten und ich habe weniger Stress mit Gießen und Nachdüngen.

Daniela, Violetta lunga und Little Fingers im Kübel unter Dach in der Nachbarschaft von Paprika und Tomaten

Bei der Pflanzung im Freiland kann der Boden mit dunklem Vlies abgedeckt werden, das erhöht die Bodentemperatur und schützt vor Austrocknen. Die Melanzani ist wärmebedürftig und durstig, möchte aber wie viele andere auch kein Spritzwasser von unten bekommen. Als Nachtschattengewächs möchte sie auch nicht zu nahe an ihren Verwandten Tomaten und Kartoffeln stehen, zu Artgenossen reichen 60 cm Abstand. Bei guter Kultur können wüchsige Sorten eine Höhe von über 1 m erreichen.

So sah es Anfang Juni im Frühbeet aus, mittlerweile ist der Platz schon etwas knapp.

Es wird empfohlen, erste Blüten auszubrechen, da sie häufig noch zu keinem Fruchtansatz führen. Es tut zwar weh, die langersehnten und hübschen Blüten zu entfernen, aber man erspart der Pflanze in diesem jungen Stadium einiges an Kraftaufwand. Auch später soll man der Pflanze nur ca. 3 Triebe belassen mit jeweils 2-3 Früchten. Dies ist sicher sortenabhängig, kleinfrüchtige Sorten können auch mehr Früchte zur Reife bringen. Bei großfrüchtigen Sorten ist auf jeden Fall eine Pflanzenstütze notwendig, die man der Pflanze gleich beim Aussetzen an die Seite gibt, um spätere Wurzelverletzungen zu vermeiden. Eventuell sind auch mehrere Stützen notwendig, um schwer behangene Triebe vor dem Abknicken zu bewahren. Für eine zuverlässige Bestäubung empfiehlt es sich, die Pflanzen in der Blütezeit zu schütteln.

Vielfalt auch bei den Blüten, links die Violetta lunga, Mitte das Japanese White Egg, rechts eine namenlose aus der Gärtnerei

Als Dünger kann Hornmehl und Gesteinsmehl in die Erde eingearbeitet werden. Danach sollte nur mäßig gedüngt werden, denn sonst überwiegt die Blattbildung. Auch wichtig: das Mulchen mit Stroh oder getrocknetem Rasenschnitt.

4 Kommentare

  1. Sehr interessante Informationen! Wobei ja im Garten immer alles so wird wie es will… Letztes Jahr hatte ich 18 große Früchte an einer einzigen Auberginen-Pflanze und in diesem Jahr wurden erst alle Blätter braun und jetzt ist gerade mal eine kleine Aubergine zu sehen – obwohl ich alles genauso gemacht hab… aber Blüten sind schon noch da… wer weiß, was als nächstes passiert. 😉
    Liebe Grüße
    Nanni

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    1. Das ist es ja! Es kann noch so gut aussehen, und dann spielt das Wetter nicht mit oder der Boden oder es kommt eine Krankheit daher…😬 zumindest gleicht es sich oft aus – die Tomaten gehen ein (letztes Jahr bei mir) dafür gibt es Kürbis en masse. 😀

      Gefällt 1 Person

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