Haltbarmachen im Glasumdrehen

Haltbarmachen im Glasumdrehen: Sue Ivan, 1. Auflage 2022
Eine Buchrezension.

Haltbarmachen ist mehr, als Marmelade einzukochen. Auch wenn beim entsprechenden Enthusiasmus dabei gleich Mengen produziert werden, die ganze Sportmannschaften ernähren könnten.

Über diesen Punkt ist die Autorin Sue Ivan längst hinaus. In ihrem Buch präsentiert sie ihre Erfahrungen als Teilzeit-Selbstversorgerin, die gelernt hat, die frische Ernte auch für den Winter genießbar zu machen. Und als Konsumentin, die weiß, wie man Übriggebliebenes vor dem Verderb retten kann. Dazu hat sie einiges an Wissen und Erklärungen zu bieten. Im ersten Teil – fast 60 Seiten – werden alle Fragen geklärt, die im Rezeptteil auftauchen könnten. Verschiedene Begriffe werden besprochen und benötigtes Zubehör vorgestellt. Ich weiß nun, dass es einen Unterschied zwischen Schraubgläsern und Twist off – Gläsern gibt und dass die Anschaffung eines Dörrgeräts bei entsprechenden Mengen doch sinnvoll ist.

Die Haltbarmachungsmethoden werden vorgestellt und immer wieder wird auch gleich auf passende Rezepte im Buch verwiesen. Das finde ich sehr sinnvoll in einer Zeit, wo häufig online gelesen wird und man gewohnt ist, mit Links zu den nächsten Inhalten geführt zu werden.

Vieles wird erklärt, um die Vorgänge des Haltbarmachens zu verstehen. Etwa warum man Gurken und Eigelb mit Salz behandelt, bevor man sie einlegt. Oder welche Aufgabe der Zucker bei der Konservierung hat. Zum Thema Zucker finde ich den einzigen Punkt in diesem Buch, mit dem ich als Ernährungsberaterin nicht ganz einverstanden bin: um die Auswirkungen des Zuckers auf den Blutzuckerspiegel zu reduzieren würde ich nicht auf die Verwendung künstlicher Süßstoffe verweisen. Das ist nicht falsch, aber unnötig in diesem Buch, in dem alle Rezepte mit natürlichen und einfachen Zutaten auskommen. An anderer Stelle im Buch wird dann auch empfohlen, Marmeladen mit weniger Zucker, z.B. 2:1 oder 3:1 herzustellen und der geringeren Haltbarkeit und Instabilität der Farbe entgegenzuwirken, indem man schon das frische Fruchtmus einfriert und die Marmelade daraus erst bei Bedarf kocht. Diese Methode zum Zucker einsparen gefällt mir sehr gut.

Trocken ist dieser umfassende erste Teil gar nicht, sondern informativ und sogar unterhaltsam. Sue Ivan schreibt mit großem Bezug zum Alltag, erzählt auch vom ein oder anderen Fehler und gibt wertvolle Tipps, wie man sich die Vorratshaltung erleichtern kann.

Und sonst?
Im ersten Teil werden Fotos, Tabellen und Infokästen sinnvoll eingesetzt. Der Kapitelname über jeder Seitenzahl erleichtert das Zurechtfinden, ein Leseband hilft, das am Abend ausgewählte Rezept am nächsten Tag wiederzufinden.

Apropos Rezepte: der Rezeptteil verspricht 90 x spannende Aromen, entspanntes Einlegen und prickelndes Fermentieren, um die Vorratskammer zum Leuchten zu bringen.

Zu Beginn noch die Auflistung der verwendeten Abkürzungen und Grafiken, die die jeweils verwendete Haltbarmachungsmethode symbolisieren und Beispiele zur Bedarfsberechnung der Einkochgläser und schon kann es losgehen. Jedem Rezept ist eine Doppelseite gewidmet, links alle Infos zum Rezept, manchmal mit Vorschlägen für Varianten, rechts ein vollseitiges Foto. Die Sortierung der Rezepte ist ausgeklügelt: die Kapitelbezeichnung findet sich wieder bei der Seitenzahl, innerhalb der Kapitel ist nach Hauptzutat alphabetisch geordnet. Den Beginn macht das Obst, gefolgt von Gemüse und Pilzen, danach kommen Salze, Butter und Pasten. Den Abschluss machen Sauerteig und Eier.

Hält der Titel, was er verspricht? Ich finde schon. Die Rezepte sind bodenständig und einfach, aber nicht immer gewöhnlich. Quick Pickle aus Weintrauben, eingelegte Dicke Bohnen oder fermentierter Kohlrabi mit Sojasauce hören sich sehr spannend an und wollen ausprobiert werden. Auch das Rezept für eingelegten Maissalat sollte ich unbedingt testen, und das Gurkenrelish ist bei der zu erwartenden Gurkenschwemme ein wichtiger Tipp für alle Fälle. Pulver aus Pilzen und aus Roter Bete werden auf jeden Fall nachgemacht und die Gewürzgurken koche ich heuer mit Sue Ivan’s Rezept ein. Gut, dass ich vor kurzem Gelbe Bete ausgesät habe, denn auch dazu gibt es ein Rezept – das genauso mit der roten Variante funktioniert.

Der Stil – Grafiken, Fotos, Seitenlayout – ist sehr ansprechend.

„Haltbarmachen im Glasumdrehen“ ist ein Buch, das mir auf den ersten Blick sympathisch war. Nicht nur aufgrund der optischen Aufmachung und Gestaltung, sondern auch des Inhalts wegen. Wer Gartenliebhaber und Gemüsefreund ist, wer Wert legt auf selbst produzierte Vorräte, gerne Neues ausprobiert und dazu auch noch wissen möchte, warum was wie gemacht wird, der kann mit diesem Buch nichts falsch machen. Häufiges Auf- und Nachschlagen zumindest bei meinem Exemplar ist garantiert.

Haltbarmachen im Glasumdrehen: Sue Ivan, 1. Auflage 2022
Löwenzahn Verlag, ISBN 978-3-7066-2963-8

Das Rezensionsexemplar habe ich kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommen, wofür ich mich sehr herzlich bedanke. Meine Meinung blieb davon unbeeinflusst.

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